Kategorie Archiv: Kantonsrat

Votum im Kantonsrat: Gemeindepräsident oder Gemeindeammann?

Sehr geehrter Herr Grossratspräsident
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Bei dieses ganzen Diskussion frage ich mich: Müssen nun als nächstes auch die
Nachnamen der Frauen angepasst werden? Frau Bruggmann, Frau Wiesmann,
Frau Kaufmann und Frau Hartmann müssen sich mit ihren männlichen Namen ja
völlig diskriminiert fühlen…Müssten sie dann bald heissen: Frau Bruggfrau, Frau
Wiesfrau, Frau Kauffrau und Frau Hartfrau? Tönt doch logisch…Aus meiner Sicht
grenzen solche Diskussionen an patalogische Probleme, die es eigentlich nicht
verdienen soviel Zeit unserer Regierung und unseres Parlaments zu beanspruchen.
Ich denke, wir hätten tatsächlich wichtigere Probelme im Rat zu diskutieren. Deshalb empfehle ich ganz locker, diese Motion abzulehnen.

Verena Herzog, 01.10.2012


Referat Optionale Basisstufe

Herr Grossratspräsident, sehr geehrte Damen und Herren der Regierung und des Grossrates


Antrag im Grossen Rat betreffend Basisstufe

Sehr geehrter Herr Grossratspräsident, geschätzte Damen und Herren der Regierung und des Grossrats

Wie in meinem Eintrittsvotum angekündet, stelle ich nun folgenden Antrag: Der neue § 11a soll folgendermassen formuliert werden:

"Bei besonderen strukturellen Verhältnissen (zu kleine Schülerzahlen) können der Kindergarten und die erste Primarklasse als dreijährige Grundstufe oder der Kindergarten und die ersten beiden Primarschulklassen als vierjährige Basisstufe geführt werden. Ein entsprechend begründetes Gesuch ist von der Schulgemeinde an das Departement einzureichen."

Dank dieser Formulierung wird verhindert, dass im Kanton Thurgau jede Gemeinde eine andere Eingangsstufe führen kann und Kinder bei einem Umzug ins Nachbardorf nicht nur die Lehrerin oder den Lehrer und die Mitschülerinnen und Mitschüler, sondern ev. auch noch das Schulmodell wechseln müssten. Bei strukturellen Schwierigkeiten einer Schulgemeinde kann durch den ergänzten, neu formulierten § 11a eine geeignete Lösung gefunden werden, damit die Kinder in ihrem Dorf oder in ihrem Quartier die Volksschule besuchen können.

Ich bitte Sie, diesen Antrag zu unterstützen, vielen Dank!


Referat im Kantonsrat betreffende Mundart im Kindergarten

Sehr geehrter Herr Grossratspräsident, geschätzte Damen und Herren der Regierung und des Grossrats

In rund zwei Monaten ist es wieder soweit: Vielen kleinen Knirpsen schlägt das Herz höher, sie dürfen das erste Mal in den Kindergarten. Einige haben trotz allem ein mulmiges Gefühl. Was erwartet mich wohl in dieser neuen Umgebung? – Da ist es hilfreich, die Kinder möglichst natürlich abzuholen, mit einfachsten Hilfsmitteln, mit Versen, Liedern und Geschichten in der vertrauten Sprache, um ihnen möglichst schnell Sicherheit und Geborgenheit zu geben.

Auch aus sprachlicher Sicht ist die Pflege der Muttersprache, bei uns ist es die Schweizer Mundart, die entscheidende Basis für jede andere Sprache. Auch wenn die Muttersprache bei den Vierjährigen im Grundsatz zwar weitgehend abgeschlossen ist, muss sie unbedingt weiter gefestigt und differenziert werden. Hier hat der KG eine wichtige Funktion, denn in vielen Familien kommt heutzutage die verbale Kommunikation zu kurz und damit natürlich auch unser Kulturgut!

Aber auch fremdsprachige Kinder müssen unbedingt Gelegenheit haben unsere Umgangssprache zu lernen. Wie sollen sie sich sonst je integrieren und ein Gefühl der Dazugehörigkeit entwickeln? Wenn Kinder von sich aus in Rollenspielen Hochdeutsch sprechen, wie sie es z.B. vom Fernsehen her kennen, schadet das sicher nicht, das war schon immer so. – Aber wenn die Regierung bereits im Kindergarten nur von "Mundartinseln" spricht, so finde ich das bedenklich. Ich sehe das umgekehrt; im Kindergarten dürfen zwar durchaus Hochdeutschinseln eingeschaltet werden – so wie in der Schule auch noch Mundartinseln gepflegt werden sollen. – Aber vielleicht war das in der Beantwortung nur ein Schreibfehler.

Der Pisa-Schock hat auf den Volksschulämtern schweizweit Betriebsamkeit ausgelöst. Aber auch Lehrmeister und weiterführende Schulen beklagen zu Recht die mangelnde Deutschkompetenz der Schulabgänger. Sinnvolle Massnahmen wie das Projekt "Leseförderung" ,die konsequente Anwendung von Hochdeutsch ab der Primarschule und auch Training im sprachlichen Ausdruck und der Rechtschreibung, dürfen nicht tabu sein, sondern sind dringend nötig. Wer aber meint, durch die Vorverlegung des Hochdeutschen in den Kindergarten sei eine Besserung zu erreichen, der liegt schlicht

falsch. Zuerst braucht das Kind eine gute Basis und differenzierten Umgang in der Muttersprache. Denn das Schweizerdeutsch ist nicht ein Hindernis, sondern der Schlüssel zu mehr Sprachkompetenz.

Wie fast in allen Bildungsbereichen, wird in der Beantwortung einmal mehr auf die Wunderkiste Lehrplan 21 verwiesen. Es lasse sich im Bereich Sprache noch nichts zum Gebrauch und Stellenwert der Mundart sagen. Gegebenenfalls könne der zukünftige Lehrplan 21 aber mit entsprechenden Bestimmungen ergänzt werden, heisst es in der Beantwortung. – Das haben wir gehört! Also hätten wir auch jetzt durchaus die Möglichkeit, Nägel mit Köpfen zu schlagen und ein für allemal gesetzlich festzulegen, dass im Kindergarten in erster Linie, es heisst ja nicht ausschliesslich!, Mundart gesprochen werden soll. – Was spricht denn da dagegen?

Danke für die Ermöglichung der wichtigen Sprachbasis für unsere Kinder, danke für die Pflege unserer Schweizer Werte und damit danke für die Zustimmung zur Motion.


Referat im Kantonsrat betreffend IP Gesamtsprachenkonzept

Herr Grossratspräsident, sehr geehrte Damen und Herren der Regierung und des Grossrates

Ich danke den Interpellanten für die wichtigen, gestellten Fragen zum Gesamtsprachenkonzept des Kantons Thurgau. Auch die SVP Fraktion dankt der Regierung für die sorgfältige Beantwortung.

Im Schuljahr 2011/12 werden erstmals alle 5.Klässler in zwei FSP unterrichtet. – Wir wissen, eine Auswertung der Auswirkungen von zwei FSP auf die Schulleistungen der Kinder ist noch zu früh. – Eine umfassende Evaluation ist für 2013 geplant. Wichtig ist jetzt, dass eine Lernstanderfassung der jetzigen Schülerinnen und Schüler in Englisch, Französisch und Deutsch am Ende der zweiten und der dritten Sekundarklasse erhoben wird, damit in den Folgejahren ein relevanter, aussagekräftiger Vergleich mit der Zielgruppe, die ab der dritten Primarklasse mit Frühenglisch und somit ab der fünften Klasse mit zwei Fremdsprachen unterrichtet wurde, überhaupt möglich ist.

Deshalb möchte ich heute eine verbindliche Zusage unserer Bildungsdirektorin zur schnellst möglichen und sorgfältigen Durchführung einer Lernstandserfassung der Jugendlichen in den Sprachfächern am Ende der zweiten und der dritten Sekundarklasse. Dabei soll nicht nur das Sprachverständnis, die Rechtschreibung, der Satzbau, der Wortschatz und der sprachliche Ausdruck etc. geprüft werden. Bereits 2014/ 2015 sind die Jugendlichen, die mit zwei FSP unterrichtet wurden in der 8. und 9. Klasse. Die Zeit drängt deshalb tatsächlich für die Lernstandserfassung der Schülerinnen und Schüler, die nur mit einer FSP in der PS unterrichtet wurden.

Ausgewertet werden können derzeit – die Aufnahme des Frühenglischen bei Kindern, Lehrpersonen und Eltern und erste Erfahrungen mit dem Frühenglisch, mit den Lehrmitteln und dem Unterrichtsmaterial bei allen Mitbeteiligten. Ebenfalls kann beurteilt werden, ob die Lehrpersonen genügend auf die Englischunterrichterteilung vorbereitet wurden. Diese Fragen beantwortet die Regierung mehrheitlich positiv.

Die Schwierigkeiten und Herausforderungen von Frühenglisch und zwei Fremdsprachen liegen jedoch bei der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler, bezüglich ihrer Lernvoraussetzungen und Lernfähigkeit. Die Schule hat die Aufgabe, dieser Heterogenität Rechnung zu tragen Trotzdem, so in der Beantwortung der IP "könne die Regierung kein Mindestmass an Leistung garantieren, weil die Unterschiede zwischen den Kindern zu gross sind".

Deshalb und das finde ich bedenklich, werden nun nochmals mehr Stütz- und Fördermassnahmen angeordnet und sonderpädago-gische Massnahmen ergriffen, nochmals mehr Kinder genügen den schulischen Anforderungen nicht!

Abgestützt auf §42a des Volksschulgesetzes werden zwar Lernzielbefreiungen bewilligt. Auch ist nach einer Weisung des AV vom 30.August 2011 eine Dispensation vom Fremdsprachenunterricht möglich. Wichtig dabei wäre aus meiner Sicht, dass eine Dispensation vom Fremdsprachenunterricht an Auflagen geknüpft ist, wonach das Kind in dieser Zeit an individuellen Lernzielen in Deutsch oder Mathematik arbeitet. Hier interessiert mich, wie viel Spielraum die Schule heute denn tatsächlich hat, um die Kinder individuell zu fördern? Genügt es, wenn eine Schülerin in Deutsch oder Mathematik ungenügend ist, damit sie von der zweiten Fremdsprache dispensiert werden kann? Dies natürlich immer auch in Absprache mit den Eltern. Oder braucht es komplizierte Bewilligungsverfahren?

In der Sekundarschule Typ G kann im Thurgau mit schriftlicher Zustimmung der Eltern ab dem 8. Schuljahr, d.h. der 2.Sekundarklasse eine FSP zu Gunsten anderer Fächer abgewählt werden. – Da fragt sich einfach, hätte nicht besser schon in der 5.Klasse gar nicht erst mit der zweiten FSP angefangen werden sollen – und schon in der 5.Klasse besser Zeit und Energie z.B. in Deutsch oder Mathematik investiert werden sollen? – Zu Recht wird allerdings bei Dispensationen von Grundfächern schon in der Primarschule befürchtet, dass dadurch für betroffene Schüler die Weichen zu früh gestellt werden.

Diese Tatsache und da mehrere Studien zum frühkindlichen Lernen z.B. span. Studie von Carmen Munoz, 2006 immer wieder zum gleichen Schluss kommen, dass es zwar möglich und in bestimmten Bereichen für Kinder ideal ist, Fertigkeiten früh zu erwerben, ganz wesentlich z.B. in der Grobmotorik, dass aber bei Fremdsprachen, wie Erfahrungen beim Frühfranzösisch oder beim Frühenglisch zeigen, bei späterem Beginn dieser Vorsprung nach kurzer Zeit wieder eingeholt wird. (z.B. in der Masterarbeit des Linguistikers Urs Kalberer, Zürich), muss die Frage des Kosten-, / Nutzeneffekts von zwei Fremdsprachen in der PS, nicht nur im monetären Sinn, sondern auch aus Sicht des Schülers, gestellt werden. Spätestens nach gründlicher Evaluation von zwei FSP in der PS in unserem Kanton, muss diese Frage abschliessend zu Gunsten einer bestmöglichen, auf das Berufsleben vorbereitenden Bildung der Schülerinnen und Schüler beantwortet und müssen die notwendigen Konsequenzen ergriffen werden.

Die Fraktion der SVP ist sich einig, wir wollen im TG ein für das Kind gewinnbringendes Sprachenkonzept, indem nicht nur die Fremdsprachen, sondern auch die Grundfertigkeiten in Deutsch viel stärker gewichtet werden. Es kann ja nicht sein, dass selbst bei Schulabgänger der Sek A bei jedem zweiten Satz Rechtschreibefehler korrigiert werden müssen, wie es Lehrmeistern und abnehmenden Schulen beklagen und ich leider auch in unserem Betrieb persönlich feststellen muss.

Ebenso müssen Mathematik, Naturwissenschaften und Werken wieder einen höheren Stellenwert in der Bildung erreichen, um die Kinder vielseitig und nicht nur sprachlastig für ihr Leben zu rüsten.