SonntagsZeitung: Millionenbetrug durch Spitex

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Meine vollständige Antworten zu: Millionenbetrug durch Spitex

Die Recherchen bei Schweizer Krankenversicherungen wurden durch einen Beitrag im „Spiegel“ ausgelöst. Bezogen auch auf die deutsche Misere wurden mir von Herrn Gamp (Sonntagszeitung) die entsprechenden Fragen gestellt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/pflege-hunderte-pflegedienste-unter-betrugsverdacht-a-1149806.html

War Ihnen die geschilderte Betrugs-Masche bekannt?

Nein, davon höre ich das erste Mal, ich bin schockiert. Allerdings wäre es absolut falsch auf Grund der Negativfälle in Deutschland, bei denen es sich fast ausschliesslich um russisch-eurasische Pflegedienste handelt, Generalverdacht auch auf alle bei uns in der Schweiz korrekt arbeitende Pflegedienste zu erheben. Das wäre ein Affront gegenüber dem riesigen und oft anspruchsvollen Einsatz, den viele Pflegende zu leisten bereit sind und auch gegenüber den rechtschaffenen Organisationen. Mir persönlich sind nur Fälle der öffentlichen Spitex bekannt, bei denen falsche Leistungen, z.B. Pflege- statt Haushaltleistungen oder Leistungen, die gar nicht erbracht wurden, abgerechnet wurden. Damit schliesse ich nicht aus, dass auch bei der privaten Spitex Fehler oder gar Missbräuche passieren können.

Werden Sie diese in der PGP besprechen?

Da das Thema „Pflege zu Hause“ im Hinblick auf die immer älter werdenden Menschen hoch aktuell ist, werden wir uns sicher weiterhin mit den verschiedenen Formen und ihren Vor- und Nachteilen auseinandersetzen. Der Wunsch der pflegebedürftigen Person, möglichst lange zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können, nicht zuletzt auch aus Kostengründen, ist absolut verständlich.
Was könnte man tun, um solche Betrugsfälle zu verhindern? Bräuchte es strengere Kontrollen darüber, was private Spitex-Dienste wirklich leisten und was sie verrechnen?

Grundsätzlich ist unser System anders aufgebaut als das deutsche. Bei uns kontrollieren die Ärzte und die Krankenversicherer gemäss KVG die pflegerischen Einsätze (Minuten/Stunden, täglich/wöchentlich/monatlich) sehr detailliert. Das ist deren gesetzlicher Auftrag. Wenn sie diesen nicht erfüllen – ob bei den privaten oder öffentlichen Spitex-Betrieben – kann den Organisationen, die dies nach bestem Wissen und Gewissen machen, kein Vorwurf gemacht werden. Schwarze Schafe gibt es überall – bei den privaten und den öffentlichen Spitexen – aber das ist wirklich eine Minderheit. Missbrauch muss bestraft werden. Ich kann mir jedoch auch vorstellen, dass gewisse Fehler unbeabsichtigt passieren.
Die Spitex-Branche boomt, immer mehr private Dienste kommen hinzu. Macht dies die Kontrolle schwieriger? Gehen Sie davon aus, dass solche Betrugsfälle in Zukunft zunehmen werden?

Wie bereits erwähnt, muss bei uns sehr genau Buch geführt werden. Oft würden die Pflegenden es vorziehen, mehr Zeit dem Patienten zuwenden zu können, als den ganzen Bürokram zu erledigen. Sinnvoll und dem Missbrauch vorbeugend ist sicher, wenn die Abrechnungen auch dem Patienten oder dem nächsten Angehörigen des Patienten vorgelegt werden. Diese können am ehesten über die Richtigkeit der verrechneten Stunden urteilen. – Aber Hand auf`s Herz, wie auch sonst im Arbeitsleben, ist dies schlussendlich immer auch eine Vertrauenssache. Vertrauen kann leider auch ausgenutzt werden.

Artikel in der SonntagsZeitung: http://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/millionenbetrug-durch-spitex/story/26953007

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Geschrieben in Medien.

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