Interpellation: „Stärkung der Berufsbildung angesichts des Rückgangs von Schulabgängern – Keine Maturandenquotenerhöhung auf Kosten von Lehrstellenplätzen“

ln den vergangenen Jahren wurde mit grossem Aufwand unser Gewerbe motiviert zusätzliche Lehrstellen zu schaffen um so dem erhöhten Bedarf der Schulabgängern gerecht zu werden. ln den kommenden Jahren werden diese Schulabgänger-Jahrgänge abnehmen und der „Kampf“ um die Schulabgänger, insbesondere mit guten Schulleistungen, werden zunehmen.  Wir sind der Überzeugung, dass in den folgenden Jahren alle, die gewerblichen Lehr- wie auch die Maturitätsausbildungen am gleichen Strick ziehen müssen und im gleichen Ausmass Abstriche in Kauf nehmen müssen. Die ersten in der Selektionskette von Schulabgängern sind die Maturitäts-Aufnahmeprüfungen. Wir erwarten deshalb die entsprechende Fairness, dass zur gegebenen Zeit die aktuelle Maturitätsquote nicht künstlich erhöht wird. Es ist Wichtig, dass das Gewerbe motiviert bleibt, vielfältige Lehrstellen anzubieten und Lehrstellen während den kommenden Jahren zu erhalten.

Fragen

1. Wo sieht die Regierung die Vorzüge der beruflichen Ausbildung besonders für unseren Kanton?

2. Wie beurteilt der Regierungsrat das heutige Lehrstellenangebot im Kanton Thurgau?

3. Wie wird sich die Zahl der Schulabgänger in den kommenden Jahren im Vergleich zu den letzten zehn Jahren entwickeln?

4. Wie hat sich die Maturitätsquote in den letzten zehn Jahren entwickelt? Wie viele Berufslehren wurden in diesem Zeitraum jährlich abgeschlossen?

5. Was wird unternommen, damit die Prüfungsanforderungen an den Maturitätsschulen nicht abgebaut werden und die Aufnahmequote, im Verhältnis zu den Schulabgängem, nicht zunimmt?

6. Erfolgt die Beurteilung der Aufnahmeprüfungen durch die Mittelschullehrer selber? Falls Ja, ist dies korrekt vor allem im Hinblick auf die abnehmenden Schulabgänger und die eigenen Arbeitsstellen?

7. Wie strikte werden während der Probezeit die Rückstufungen bei ungeeignete Gymnasiasten gehandhabt? Wie viele Gymnasiasten haben in den letzten Jahren die Probezeit nicht bestanden?

8. Wäre, in Anbetracht dieser ganzen Entwicklung und der Finanzlage des Kantons, eine Zusammenführung der beiden Kreuzlinger Mittelschulen jetzt nicht angebracht?

9. Wie viel Lehrerstellen müssen in Anbetracht der sinkenden Bestände an Schulabgängern an den Berufsschulen und an den Maturitätsschulen in den kommenden Jahren abgebaut werden?

10. Welche Massnahmen werden ergriffen, damit die mit grossem Aufwand zusätzlich, geschaffenen Lehrstellen erhalten bleiben; auch wenn einige davon in Zukunft nicht mehr besetzt werden können?

11. Wie fördert der Kanton das Ansehen der dualen Berufslehre ln der Gesellschaft weiter?

12. Es ist erwiesen, dass heute fast 30% der Medizinstudierenden (trotz Eignungstest) das Studium nicht bestehen. Wie viel kostet den Kanton ein Medizin-Studienjahr?

13. Was kostet den Kanton die Ausbildung eines Primariehrers und was gibt der Kanton aus für die Ausbildung eines Schreinermeisters?

Begründung

Vor Jahren wurden Gewerbe und lndustrie dringend gebeten mehr Lehrstellen zu schaffen. Was unternimmt der Kanton nun heute im Gegenzug damit die Thurgauer Wirtschaft genügend motivierte Lernende bekommt?
„Ich hätte lieber etwas Weniger, dafür bessere Maturanden.“ Mit diesem Satz hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann als Bildungs- und Wirtschaftsminister die Grundhaltung in der Wirtschaft wiedergegeben und auch bei uns im Thurgau breite
Unterstützung gefunden. Er hat in seiner Rede vom Oktober 2012 an der Uni Zürich im Besonderen das „Duale Bildungssystem“ als Erfolgsfaktor hervorgehoben und betont, dass die Gewichtung zwischen Berufsbildung und Gymnasium keinesfalls zu ungunsten des bewährten dualen Berufssystems verschoben werden darf. Er hat dann auch aufgezeigt, dass sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass Länder die noch über einen starken industriellen und gewerblichen Kern verfügten, strategisch viel besser gerüstet seien. Die Schweiz und insbesondere unser Kanton Thurgau gehören dazu.

Diesen Zustand gilt es zu halten und dazu braucht es eine besondere Förderung des Nachwuchses in naturwissenschaftlichen, den technischen Fächern und in allen gewerblichen Belangen. Eine hängige Motion im Nationalrat (NR Aebischer) möchte u.a. eine prestigemässige Aufwertung der Titel der höheren Berufsbildungen, im Vergleich zu den vollschulischen und akademischen Abschlüssen, anstreben.
Es ist deshalb wichtig, dass wir allen Ausbildungen gebührenden Respekt und unsere Unterstützung geben und angesichts des Rückgangs von Schulabgängern Fairness anwenden. Auf keinen Fall darf im jetzigen Zeitpunkt die Maturitätsquote
erhöht werden.

Wir bedanken uns beim Regierungsrat für die Beantwortung der Fragen.

Wuppenau, Frauenfeld, 13. Februar 2013

Hanspeter Gantenbein / Verena Herzog

Geschrieben in Kantonsrat.

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