Leserbrief: Nein zu massiven Eingriffen in die Familien

Der Familienartikel will uns glauben machen, die Schweiz sei hinsichtlich der Kinderkrippen ein Entwicklungsland. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Seit 2003 wurden in der Schweiz beinahe 500 Millionen Franken in Krippen investiert. Damit entstanden rund 39`000 zusätzlichen Plätze. Sie waren notwendig, in erster Linie für Kinder aus Familien, die auf ein zweites Einkommen angewiesen sind. Braucht es weitere Massnahmen für eine möglichst familiennahe Betreuung, dann liegt die Verantwortung vor Ort, nämlich bei den Gemeinden, in guten und erfahrenen Händen. Ein Bundesdiktat ist der falsche Weg.

 

Beim Familienartikel handelt es sich um eine Pandorabüchse. Sie enthält so unnötige wie milliardenschwere Forderungen. Überdies stärkt die Verfassungsvorlage entgegen allen Behauptungen gerade nicht die Familie, sondern die zentralstaatlich gelenkte Auslagerung der Kinder. Die von der Initiative verursachten höheren Sozialausgaben und die deshalb unvermeidlich wachsende Steuerbelastung würden Eltern des Mittelstandes zwingen, ein Zweiteinkommen zu erzielen und die Kinder von Fremden betreuen zu lassen. Damit wäre die elterliche Wahlfreiheit, sich in eigener Verantwortung für ein Familienmodell zu entscheiden, beerdigt.

 

Stärkung aber verdient die Familie. Widmet sich die Mutter oder der Vater für ein paar Jahre vorwiegend der Kinderziehung, ergibt sich für die Familie, die Gesellschaft und die Wirtschaft ein nachhaltiger Nutzen. Kinder benötigen in den ersten sechs Lebensjahren Nestwärme und eine gleiche Bezugsperson. Diese Qualitäten bietet die beste Kinderkrippe nicht. Die vermeintliche Idealvorstellung der berufstätigen Mutter blendet auch aus, dass Frauen mit einer Doppelbelastung bereits vor ihrem 55. Altersjahr ausgebrannt sind. Mütter jedoch, die sich zunächst auf ihre Familie konzentrieren und erst später beruflich wieder einsteigen, sind hoch motiviert, haben durch die Familienarbeit die Teamfähigkeit samt Durchsetzungsvermögen gelernt und bleiben bis zur Pensionierung leistungsfähig. Das bringt einerseits individuelle Zufriedenheit und sichert anderseits der Wirtschaft Frauen mit wertvollen Erfahrungen.

 

Wer beim Familienartikel Dafür und Dagegen sorgfältig abwägt, dabei das Wohl der Familien und der Kinder im Auge behält und für obrigkeitliche Eingriffe in unsere Keimzellen nicht auch noch immense Kosten Tür und Tor öffnen will, entscheidet sich für ein Nein.

 

Verena Herzog
designierte Nationalrätin SVP, Vereidigung am 4.3.13
Mittelrütistrasse 6
8500 Frauenfeld
Tel. 052 722 12 69

 

Geschrieben in Leserbriefe.

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